Am nächsten Tag war der mittlere Sohn an der Reihe und führte
die lügnerische Ziege auf die Weide hinter der Stadtkirche, wo sie
den ganzen Tag leckere Kräuter fraß. Abends fragte der mittlere
Sohn die Ziege: "Hast du jetzt genug gefressen, liebe Ziege?"
- Und die antwortete: "Ich bin so satt. Ich mag kein Blatt. Meck, meck,
meck." - "Dann können wir ja nach Hause gehen."
Zu Hause fragte der Vater wieder zuerst seinen mittleren Sohn, ob die Ziege
auch gut versorgt sei. - "Die ist so satt, die mag kein Blatt mehr,"
antwortete der mittlere Sohn. Als der misstrauische Vater aber die Ziege
fragte, meckerte die wieder: "Wie sollt´ich satt sein? Ich sprang
nur über Gräbelein und fraß kein einzig Blättelein.
Meck, meck meck." - "Du Lügner und Tierquäler!"
schimpfte der Vater auf seinen mittleren Sohn. "Raus mit dir aus meinem
Haus!"
Am nächsten Tag wollte es der jüngste Sohn besser machen als
seine Brüder. Er führte die Ziege weit vor die Stadt, wo sie sich
am saftigen Buschwerk gütlich tun konnte. Abends fragte der er die
Ziege: "Hast du jetzt genug gefressen, liebe Ziege?" - Und die
antwortete: "Ich bin so satt. Ich mag kein Blatt. Meck, meck, meck."
- "Dann können wir ja nach Hause gehen."
Aber als der Vater die Ziege fragte, ob sie denn jetzt endlich einmal
satt geworden sei antwortete sie wieder: "Wie sollt´ich satt
sein? Ich sprang nur über Gräbelein und fraß kein einzig
Blättelein. Meck, meck meck." Da warf er auch den dritten Sohn
aus dem Haus und führte am nächsten Tag die Ziege selbst auf eine
Wiese, wo sie die feinsten Kräuter fressen konnte, bis ihr Bauch prall
und rund war. "Können wir jetzt nach Hause gehen, liebe Ziege?"
fragte der Vater am Abend. - "Ich bin so satt. Ich mag kein Blatt.
Meck, meck, meck." antwortete die Ziege.
Der Vater führte sie in den Stall und gab ihr noch eine extra Portion
Stroh als weiches Lager. "Jetzt schlaf gut. Nun bist du ja endlich
einmal satt geworden." Und was antwortete die Ziege? - "Wie sollt´ich
satt sein? Ich sprang nur über Gräbelein und fraß kein einzig
Blättelein. Meck, meck meck."
Da merkte der Vater, dass er lieber seinen Kindern als der Lügenziege
hätte glauben sollen. "Ich muss sie unbedingt wieder nach Hause
holen und mich bei ihnen entschuldigen," dachte er. Das tat er auch
und die Vier lebten glücklich und zufrieden zusammen in ihrem Häuschen.
Die Meckerziege aber verkauften sie auf dem nächsten Wochenmarkt.
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