Dort waren schon viele Leute, die alle ihre Papiere abgeben wollten,
um zu heiraten. Der ganze Flur stand voll mit Menschen die alle den
Beweis, dass es sie gibt schwarz auf weiß geschrieben mit Unterschrift
und Stempel dabei hatten. Und natürlich den Beweis, dass es ihre
Eltern gibt oder mal gegeben hatte und dass sie selbst noch nicht
verheiratet, also "ledig" waren.
Ich musste über eine Stunde warten bis ich schließlich
Frau Olschewskis Büro betreten konnte. Frau Olschewski war total
genervt, dass heute so viele Leute ihre Papiere abgeben wollten. Das
war wieder mal ein Betrieb! So viel Arbeit machte Frau Olschewski
noch mürrischer, als sie sonst schon war. Sie guckte mich böse
an und sagte:" Dann wollen wir mal sehen, ob auch nichts fehlt."
Aber zum Glück hatte ich alles dabei. "Und warum ist Ihre
Verlobte, die Frau Morgenstern heute nicht hier?" brummte die
unfreundliche Frau Olschewski. "Frau Morgenstern muss heute leider
arbeiten." antwortete ich. "Heute wird es ja wohl noch ohne
Sie gehen." - "Ist gut", murmelte Frau Olschewski.
"Warten Sie draußen bis die Standesbeamtin Sie aufruft."
Also noch einmal warten. Aber diesmal dauerte es nur 5 Minuten bis
die Standesbeamtin mich in ihr Büro rief. Sie hieß Frau
Wohlrapp und war viel freundlicher als Frau Olschewski. Erst einmal
hat sie mich gefragt, wie wir nach der Hochzeit heißen möchten.
Das hatte ich schon mit Julia besprochen. Wenn man heiratet kann
man sich nämlich aussuchen, welchen Nachnamen man gerne haben
möchte. Man kann den Nachnamen des Mannes oder der Frau nehmen
oder auch beide Namen zusammen. Oder es kann jeder seinen eigenen
Nachnamen behalten, wie vor der Ehe.
Wir hätten also Julia Morgenstern und Detlef Morgenstern heißen
können oder Julia Cordes und Detlef Cordes oder Julia Morgenstern-Cordes
und Detlef Morgenstern-Cordes oder einfach weiter wie bisher Julia
Morgenstern und Detlef Cordes. Und weil wir beide schon so lange unsere
Namen haben und uns daran gewöhnt haben, wollten wir beide unsere
alten Nachnamen behalten.
Das habe ich der Standesbeamtin Frau Wohlrapp auch so gesagt und
sie hat sich das aufgeschrieben. "Wann möchten Sie denn
heiraten, Herr Cordes?" hat sie als nächstes gefragt. -
"So bald wie möglich" habe ich geantwortet.
Frau Wohlrapp guckte in einem großen Kalender nach, wann das
Standesamt Zeit hätte, Julia und mich zu verheiraten und fragte
schließlich: "Ist der 7. Dezember früh genug?"
Ich habe in meinem Terminkalender nachgeguckt, ob Julia und ich da
schon etwas vor hätten: Nein bis jetzt noch nichts. Alles klar.
Also habe ich mit Frau Wohlrapp abgemacht, dass Julia und ich am
7.Dezember um 11 Uhr ins Standesamt kommen, um zu heiraten. Und dann
musste ich nur noch bezahlen. Heiraten ist nämlich ganz schön
teuer. Einmal heiraten kostet beim Standesamt 33 Euro.
Am 7. Dezember, einen Tag nach Nikolaus sind Julia und ich zum Standesamt
gefahren, um zu heiraten. Erstmal mussten wir wieder zu der genervten
Frau Olschewski. Ich dachte, wenn man heiratet braucht man nicht zu
warten und bin gleich zu ihr ins Büro gegangen. Das war ein großer
Fehler! "Sehen Sie nicht, dass ich zu tun habe?" schimpfte
sie. "Sie sind doch nicht die einzigen, die heute heiraten! Warten
sie gefälligst draußen, bis Sie aufgerufen werden!"
Julia und ich setzten uns also ins Wartezimmer. Ein Hochzeitspaar
wartete da schon. Man konnte gleich erkennen, dass die beiden heiraten
wollten, weil sie so schick angezogen waren. Julia und ich hatten
uns auch extra schön gemacht, weil es ja eine feierliche Angelegenheit
ist zu heiraten. "Frau Morgenstern und Herr Cordes!" brummte
es da plötzlich und Frau Olschewski hielt uns die Tür zum
Trauzimmer auf. Sie hat uns tatsächlich zugelächelt dabei.
Ein Wunder war geschehen!
Im Trauzimmer stand ein großer Tisch mit 2 Stühlen davor.
Auf der anderen Seite des Tisches stand der Standesbeamte. "Guten
Tag, Schnädelbach", stellte er sich vor.
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