Der Espresso dampft, das Tablet leuchtet, und nach zwei Minuten Scrollen habe ich schon schlechte Laune. Manchmal wünsche ich mir die Zeit zurück, als das Netz noch nach Aufbruch roch und nicht nach Algorithmus-Müll. Ich schreibe diesen Text auf Deutsch, weil es eine direkte Abrechnung ist mit dem, was wir uns hier vor die Nase haben setzen lassen.
In diesem Lied geht es um die Sehnsucht nach einem Internet, das noch uns gehört hat. „Wo sind die Posts meiner Freunde hin?“ – das ist keine rhetorische Frage. Wir werden zugeschüttet mit Zeug, das „doch kein Schwein interessiert“, während das, was eigentlich zählt, im Werbe-Dschungel untergeht.
Früher war das Gefühl da, dass jeder eine echte Chance hatte. Heute regiert die Kohle: „Wer zahlt, bestimmt, wo es lang geht im Revier.“ Das Netz ist vom Abenteuerspielplatz zum optimierten Marktplatz verkommen, auf dem die lautesten Schreihälse den Ton angeben. Es ist frustrierend zu sehen, wie wir diesen freien Raum Stück für Stück gegen blinkende Banner und hirnloses Dauerfeuer eingetauscht haben.
Kein Technik-Hass, sondern die nüchterne Feststellung, dass wir uns ordentlich verlaufen haben. Ich sitze hier und warte auf 2008 – nicht, weil früher alles besser war, sondern weil es damals noch einen Sinn gab.