Der Espresso ist heute bitter, genau wie der Blick in den Spiegel. Es ist ein absurdes Dilemma: Man verbringt sein ganzes Leben mit sich selbst, aber die eigene Frisur – dieses sichtbare Stück Identität – ist oft reiner Zufall. Ich habe diesen Song als eine Art Roadmovie geschrieben, bei dem nur einer unterwegs ist: der fiktive Friseur, der meine Rettung wäre, wenn es ihn denn gäbe.
In diesem Lied geht es um die Suche nach dem „echten Ich“, das irgendwo zwischen Madagaskar und Leipzig verloren gegangen ist. Gertrude Stein sagte mal: „Ich bin ich, weil mein kleiner Hund mich kennt.“ Aber was ist, wenn der Haarschnitt so daneben ist, dass selbst die treueste Seele an der Haustür nur noch knurrt? Wenn das Äußere nicht mehr zum Inneren passt, wird es existenziell.
Der Refrain ist die bittere Bilanz: „Mein Haar fällt, wie es fällt.“ Keine Kontrolle, kein Plan, nur die Postkarten eines Phantoms, das sich überall auf der Welt amüsiert, während man hier mit den Resten auf dem Kopf klarkommen muss. Von Bayern bis Ouagadougou – der Friseur genießt das Leben, und man selbst fragt sich bei jeder neuen Karte: Wer bin ich eigentlich ohne den richtigen Schnitt?
Es ist ein Song über die Ohnmacht gegenüber dem eigenen Spiegelbild. Überdreht? Vielleicht. Aber wer jemals versucht hat, seine Identität selbst in die Hand (oder die Schere) zu nehmen, weiß, dass der Wahnsinn genau dort anfängt.